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Donnerstag, 8. November 2012

Ausbeute

Donnerstag ist mein freier Tag, ich muss nirgendwo hin und kann ganz entspannt Unisachen vorbereiten, ein paar Serien schauen oder auch lesen, was immer mir so einfällt.

Heute war ich in der Bibliothek. Ich hatte die letzten Büche alle schon ausgelesen und dachte, ich brauch ein bisschen was Neues. Jedes Mal nehme ich mir vor, dass ich bei amazon.de nach bestimmten Büchern schaue und die dann in der Bibliothek suche, aber das mach ich nie. Und so geh ich jedes Mal aufs neue durch die zig Reihen und hoffe, dass mich irgendetwas anspringt. Normalerweise geh ich dann mit viel zu viel Material nach Hause...
Diesmal hatte ich tatsächlich ein Buch im Kopf, das ich gern lesen wollte, nämlich den neuen Rowling-Roman. Wie zu erwarten war, war er ausgelesen ... und auch bereits vorbestellt ... dementsprechend muss ich noch ein bisschen warten und schnell sein, dass ich ihn mir vormerken kann und nicht irgendein anderer...

Auf jeden Fall hab ich wieder ne ganze Menge Zeug und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht alles schaffen werde, wodurch ich ein schlechtes Gewissen habe. Irgendwo da draußen sitzt jemand, der dieses eine Buche wollte, das ich ausgelesen habe und vielleicht lese ich es noch nicht einmal. Hmmm, na ja, bis auf Anne Franks Tagebuch, davon hatten sie ein halbes Dutzend...

Na, schauen wir mal in meinen Kennedy Space Center Beutel; was haben wir denn hier.

Minette Walters - Des Teufels Werk.
Ich habe früher alle ihre Bücher VERSCHLUNGEN. Ich hab auch fast alle im Regal stehen. Irgendwann hatte ich dann einfach kein Interesse mehr an Thrillern, aber ich dachte, es wäre Zeit, es noch mal zu versuchen.
Anne Franks Tagebuch
Alle, die ich kenne, haben das in der Schule gelesen. Ich nicht. Als Geschichtsstudentin ist es aber irgendwie Pflicht, deswegen les ich es eben jetzt.
Halima Bashir - Halima
Ich habe gerade Nomadentochter von Waris Dirie gelesen und wollte gern Wüstenblume lesen, aber es war ausgeliehen. Das hier klang aber auch sehr gut, obwohl es unverschämterweise nur kurz neben Dieter Bohlens Biographie stand.
Sara B. Elfgren/Mats Strandberg - Zirkel
Klang einfach interessant und das Cover ist schön spooky.
Carlos Ruiz Zafon - Der Dunkle Wächter
Gleicher Grund...
Scott Westerfeld - Midnighters
Okay, wie entscheide ich mich für die Jugendbücher, die ich mit nach Hause nehme? Ganz einfach! Ich geh durch die Reihen und suche nach Hard Covern, die Bücher bzw. Autoren müssen nämlich einen gewissen Erfolg gehabt haben. Dann schau ich auf das Cover. Und wenn es dann weder um Vampire noch Kuschelzeugs geht, dann nehm ich es mit.
Valerio M. Manfredi - Das etruskische Ritual
Auf dem Cover ist ein großer Steinkopf, der keine Augen hat, davor eine umso größere Nase. Das sagt doch schon alles.

Ich weiß noch nicht so genau, mit welchem ich anfangen werde, aber spätestens heute Abend, wenn ich im Bett liege und noch nicht schlafen will, werd ich mich wohl entscheiden müssen. Zurzeit bekämpfe ich den Drang, mir die Bewertungen bei amazon durchzulesen, um zu schauen, ob ich einen guten Fang gemacht hab.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Bartimäus - Das Amulett von Samarkand Rezension

Ein Buch, über das ich mehr oder weniger gestolpert bin. Vor einigen Monaten habe ich meine Bibliotheksmitgliedschaftskarte (buya) wieder entdeckt ... seit fünfzehn Jahren, also seit ich noch ein kleiner Stepke war, bin ich Mitglied in der Bücherei, die genau gegenüber meiner Wohnung ist. Und trotz der bequemen Lage gab es ein paar Jahre, in denen ich die Masse an Büchern schlicht und ergreifend ignorierte. Ich bin einfach nicht in die Bibliothek gegangen, weiß der Geier warum, ich habe Bücher eben lieber gekauft - viele will ich kein zweites Mal lesen.
Seit einer Weile geh ich also wieder in die Bibliothek, um mir Bücher auszuleihen. Oft passiert es mir leider, dass sie das Werk, das ich suche, nicht haben - nicht nur, dass es ausgeliehen ist, sie haben es auch nicht im Bestand. Deswegen verbringe ich die meiste Zeit damit, durch die Regale zu schlendern und nach Titeln zu suchen, die irgendwie interessant klingen - so bin ich auch über das Jugendbuch Bartimäus von dem Engländer Jonathan Stroud gestolpert. Nicht, weil es so toll klang, sondern weil es einfach da stand ... jedes Mal ... immer und immer wieder ... und wie es mich angelacht hat. Letzten Monat habe ich dem Impuls also einfach nachgegeben und es mitgenommen! Ich habe es nicht bereut.



"Dass Dämonen überaus heimtückische Wesen sind, ist dem Zauberlehrling Nathanael durchaus bewusst, als er den 5000 Jahre alten Dschinn Bartimäus beschwört. Aber Nathanael braucht einen mächtigen Gehilfen an seiner Seite. Denn er verfolgt einen äußerst gefährlichen Plan: Mit Bartimäus' Hilfe will er das berühmte Amulett von Samarkand stehlen, das sich im Besitz des berüchtigten Zauberers Simon Lovelace befindet. Dieses Vorhaben bringt die beiden bald in tödliche Gefahr..."

Ich muss gestehen, es handelt sich wieder um ein Buch, bei dem ich den Protagonisten (Nathanael) nicht ausstehen kann. Klar, er ist latent größenwahnsinnig, aber das ist nicht mein Problem - er ist ein unbelehrbarer, arroganter Rotzlöffel und das, obwohl er noch nichts gerissen hat. Ich kann sowas einfach nicht leiden. Ohne nachzudenken gibt er dem Dschinn Bartimäus Befehle mit einem Undank, der in mir öfters das Bedürfnis weckte, ihm gehörig den Hintern zu versohlen.
Gott sei Dank geht es in dem Buch hauptsächlich um Bartimäus - einen hochintelligenten, aber zänkischen Dschinn. Man kann ihn getrost als Antihelden bezeichnen, denn nichts, was er tut, geschieht aus freien Stücken oder Nächstenliebe. Dabei ist er allerdings so originell und lustig geschrieben, dass man ihn einfach gernhaben muss. Während der Geschichte erfährt man nicht nur viel über den Auftrag und das Amulett, es geht auch um Bartimäus' Vergangenheit und ein alternatives London der Neuzeit, in dem Zauberer und Magie an der Tagesordnung liegen. Bartimäus gibte viele Infos und was nicht in den Text passt, klatscht er als Fußnote an den unteren Rand. Dank meines Geschichtsstudiums bin ich Fußnoten gewöhnt und ich hatte befürchtet, dass sie den Lesefluss stören würden, doch dem ist nicht so. Man liest eine Reihe lustiger kleiner Anekdoten über Bartimäus' frühere Aufträge, Meister oder andere Dämonen.

Es gibt noch weitere Bücher in der Bartimäus Reihe und früher oder später werde ich sie bestimmt lesen, zurzeit bin ich aber mit "Erwachsenenliteratur" beschäftigt - demnächst gibt's also eine Review zu "Stadt der Untoten" von David Wellington.

Montag, 22. Oktober 2012

Abgebrannt in Mississippi Rezension

Es ist schon ne Weile her, dass ich das Buch gelesen hab, aber ich werd versuchen, mich zu erinnern.



"Eine Geschichte über die Südstaaten, das Erwachsenwerden und die Freundschaft. Eine Geschichte so grausam und so komisch wie das Leben selbst...
Die Südstaaten in den 70er Jahren: Daniel Musgrove und Tim Cousins sind unzertrennliche Freunde. Bis Daniel sich in ein schönes farbiges Mädchen verliebt - und damit eine Kette dramatischer Ereignisse heraufbeschwört, die nicht nur sein Leben gehörig durcheinanderwirbeln."


Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten mich einzulesen, weil ich ewig nicht wusste, was für ein Buch ich lese. Der Klappentext lässt einen vermuten, dass es um Rassendiskriminierung geht - im Süden der USA in den 70ern ein weit verbreitetes Problem. Dann fängt man an zu lesen und fragt sich: Ist es ein Teendrama? Es geht ums Freunde finden, ums dazugehören, darum, in der Schule nicht fertig gemacht zu werden, um Bälle und ums Mädchen küssen. Dann kommt es jedoch zu einem Unfall, bei dem die beiden Jungs Daniel und Tim Fahrerflucht begehen.
Ist es also ein Krimi? Ein Thriller? Das Opfer überlebt, hat jedoch einen Wahrnehmungsschaden zurückbehalten - sie ist Arnita, eine schwarze Schönheit, die sich von da an jedoch für weiß hält. Daniel verliebt sich in sie und die beiden beginnen eine von allen Seiten ungebetene Romanze.
Okay. Also haben wir doch Rassenprobleme?
Zwischenzeitlich zieht der rassistische Opa ein, sie treffen Sonny&Cher, die sich nicht ausstehen können, sie ziehen in ein Autokino und man hat keine Ahnung, worum's in dem Buch geht.
Das Ende ist dann wieder völlig anders, als all die vorher fein säuberlich gestricken Handlungsstränge und nach der letzten Seite empfindet man nichts als Verwirrung.
Ich möchte nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, auf keinen Fall, ich mochte es sogar sehr gern und habe es innerhalb kurzer Zeit durchgelesen. Der Stil ist flüssig und die Charaktere alle sympathisch und nachvollziehbar. Man versteht trotz dem ganzen Heckmeck auch alles ohne Probleme. Es ist nur schwierig, sich darauf festzulegen, was der Hauptaspekt des Buches ist, da so vieles auf einmal passiert. Too much input, könnte man sagen. Ich denke, im Endeffekt trifft es die Beschreibung ganz gut - eine Geschichte über das Erwachsenwerden, so grausam und komisch wie das Leben selbst.

Freitag, 28. September 2012

Big Brother's watching you: 1984 Rezension

Der Klassiker. Oder? Ach komm schon, den Spruch kennt ihr doch, spätestens seit der einschlägigen Schundrealityserie.
 
Eigentlich stammt die Figur des Großen Bruds aus George Orwells Roman 1984 (eigtl. neunzehnvierundachtzig), den ich in den letzten Tagen gelesen habe.
 
 
Der Klappentext meiner Ausgabe:
 
"Ozeanien, eine von drei Supermächten, die die Welt untereinander aufgeteilt haben, stützt ein System auf eine Ideologie, die auf der Veränderlichkeit der Vergangenheit beruht. Im Ministerium für Wahrheit, das für die Verfälschung der Geschichte nach Parteilinie zuständig ist, arbeitet der 39jährige Winston Smith. Eine Liebesaffäre mit Julia, Technikerin an einer Romanschreibmaschine und Aktivistin der Anti-Sex-Liga, wird für Winston zu einem Akt des Widerstands gegen das System. Trotz ständiger Überwachung durch die Gedankenpolizei können die beiden sich heimlich in einem Zimmer in dem überwiegend von "Proles" bewohnten Teil Londons treffen. Dort lernen sie auch den Widerstandskämpfer O'Brien kennen, der ihnen ein Buch von Emmanuel Goldstein gibt, dem Feind und Gegenstand des Volkshasses. Der Glaube, in ihrer Liebe innere Freiheit zu erlangen und durch die Lektüre des "geheimen Buches" das Wesen ihrer Gesellschaft verstanden zu haben, erweist sich als Trugschluss. Denn irgendwann gewinnt der "Große Bruder" auch Macht über Winston..."
 
Man sollte sich bewusst machen: Dieses Buch wurde 1948 geschrieben, '49 in Amerika (oder England?) veröffentlicht. Die Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges und Einfluss des Kalten Krieges ziehen sich durch das ganze Buch und eigentlich hätte der Untertitel heißen müssen: "1984 - diese Geschichte ist frei erfunden. Parallelen zur Sowjetunion der 30er Jahre sind zufällig. Ehrlich jetzt."
 
Der gesellschaftliche Rahmen ist beeindruckend - es gibt die Länder Ozeanien, Eurasien und Ostasien.
 
 
 
Die uns bekannte Sprache -Altsprech- wird durch Löschung tausender Wörter neu formiert und zu Neusprech. Doppeldenk ist die vorherrschende Mentalität und beweist sich schon in den Regierungsgebäuden: Das Ministerium für Frieden befasst sich mit Krieg, das Ministerium für Wahrheit mit Verschleierung, das Ministerium für Liebe mit Folter und das Ministerium für Überfülle mit Hungertod.
Weiter hinten im Buch gibt es auch eine faszinierende Abhandlung, wie Kriege, die sinnlos scheinen, dazu da sind, die Ressourcen zu verbrauchen, um die arme Bevölkerung erfolgreich zu unterdrücken.
 
Ich habe das Buch vorhin in der Bahn zu Ende gelesen und vermutlich eine ganze Reiher anderer Fahrgäste Grund zur Besorgnis gegeben, als ich es plötzlich zuschlug und anfing, Grimassen zu ziehen. Es ist ein guter Roman, keine Frage. Nur, wenn man ihn beendet hat, überfällt einen eine tief sitzende Hoffnungslosigkeit. Es gibt kein Happy End, aber es wäre auch ein bisschen viel verlangt, auf nichtmal 400 Seiten eine Gesellschaft umzustürzen. Nicht nur das - es gibt keine Lösung, kein befriedigendes Ergebnis, keinen platzenden Knoten. Nur Leere. Erst in diesem Moment, wo ich das hier schreibe, merke ich, dass dies das einzige und perfekte Ende für 1984 ist. 1984 beschreibt eine Gesellschaft, indem es für die Menschen keine Hoffnung gibt, keine Freude, keine Zukunft. Es ist ihnen nicht erlaubt, etwas zu fühlen, außer Fanatismus und ergebenem Glauben in ihre Parteidogmen.
1984 schafft es, in seinem Stil, seiner Handlung, seinen Charakteren, dieselbe drückende Ergebenheit und Ödnis im Leser zu erwecken wie in seiner Bevölkerung und dennoch den Glauben an Rebellion: Da muss doch mehr sein!
Bravo!

Montag, 24. September 2012

Es war einmal...

Seit ich ein Kind war kenne und liebe ich Märchen. Ich war eine leidenschaftliche Zuhörerin und meine Familie - wenn auch weniger enthusiastisch - nutzte jede Gelegenheit, um mir vorzulesen. Natürlich halten alle Eltern ihren Spross für brilliant und früher oder später - meistens im Alter von 6 - werden die meisten von ihnen eines besseren belehrt. Ich war ebenso ein hochintelligentes Kind und noch heute erzählt meine Oma immer wieder gern die Geschichte, wie ich alle Bücher auswendig konnte und sie es einfach nie schaffte, eine Seite zu überspringen, weil ich genau wusste, was kam. Sosehr liebte ich es, vorgelesen zu bekommen. Kaum war ich alt genug (ungefähr im Alter von 5 - ein weiterer Beweis für meine selbstverständliche Brillianz, die jedoch später durch eine signifikante Abwesenheit von Fleiß ausgeglichen wurde), las ich selbst. Alles was ich in die Finger bekam, wurde aufgesogen. Nicht nur das. Ich glaubte.
Als Mädchen wusste ich bereits, dass ich früher oder später ein paar Stolpersteine überwinden müsste, doch am Ende würden ein Traumprinz, Geld, unverschämt gutes Aussehen und Glück auf mich warten. Ich hätte mein Happy End und alles wäre ganz wunderbar.
Viele Geburtstage später (nun ja, nicht ganz so viele...) kann ich das ganze realistischer betrachten. Ich muss jeden Cent umdrehen, kämpfe permanent mit ein paar Kilo übergwicht, der Traumprinz hat sich anscheinend irgendwo im Labyrinth der Liebe verirrt und alles ist ganz furchtbar.
 
Ich weiß, wer Schuld hat - die Märchen.
Und Disney.
 
Im Endeffekt bin ich also mehr eine Bridget Jones als eine Prinzessin, aber damit kann ich meistens ganz gut leben. Prinzessinnen sind doch sowieso langweilig und wie wir aus der Geschichte wissen, eigentlich auch überflüssig. Wenn ich puffige Kleider und ein Krönchen tragen will, dann tue ich das.
Und wenn mein Leben nicht so verläuft, wie ich es als Kind geplant hatte, dann ist das auch okay und vermutlich besser so, denn ich erinnere mich, dass ich 6 Kinder für eine tolle Idee hielt.
 
Mein Leben ist nicht märchenhaft und wohl auch nicht das interessanteste, dafür ist es ehrlich.