Jap, ich habe direkt den zweiten Teil von Scott Westerfelds Midnighters Reihe gelesen und bin auch bei der Hälfte vom dritten Teil. Hier findet ihr die Rezension zu "Die Erwählten".
"Rex fand Melissa auf Knien vor der Frau. Ihre Finger hielt sie noch immer im Gedankenlesergriff gespreizt. Sie schüttelte den Kopf und stöhnte.
"Da kommt etwas..."
"Sag ich doch. Weg hier!"
"Es ist so krank, Rex..."
Rex wollte nicht darüber nachdenken, was sie gesehen haben könnte. Er zerrte Melissa auf die Füße und schleppte sie in Richtung Treppe. Sie wehrte sich nicht, ließ sich einfach hinterherziehen. Doch als er sich nach ihr umsah, schimmerte im kalten Lich des blauen Mondes eine einzelne Träne auf ihrer Wange.
Sie weinte. Melissa weinte.
Rex schluckte. Wir sind tot."
Wieder ein sehr gut gewählter Ausschnitt als Klappentext.
Dieses Buch mochte ich mehr als Die Erwählten. Es werden Rätsel gelüftet, Stränge verknüpft und die Charaktere mehr differenziert. So habe ich z.B. Melissa hassen gelernt und Dess zu meinem unumstrittenen Liebling erklärt.
Die Fragen, die sich mir beim Lesen des ersten Teils gestellt haben, werden tatsächlich geklärt. Warum gibt es genau 5 Midnighter und die sind auch noch alle Teenager? Wie ist die Lehre entstanden? Warum gibt es eigentlich keine älteren Midnighter? Was genau wollen die Darklinge? Und warum zum Teufel ist der Vater von Rex so dermaßen senil, ohne dass jemals jemand Childservices angerufen hat?! All das wird geklärt und ergibt endlich einen Sinn - sofern das bei einem Urban Fantasy Roman möglich ist.
Jessica ist nicht mehr der Hauptcharakter - im ersten Buch war sie es auch nur bedingt, aber es drehte sich doch irgendwie alles um sie. In "Das Dunkle" scheint es so, als wäre Dess in den Mittelpunkt gerückt und beim dritten Teil ist es dann Rex, aber dazu später. Melissa und Jonathan gehen leider leer aus...
Vielleicht ist auch das der Grund, warum ich diesen Teil am liebsten mag.
Die Rechtschreib- und Grammatikfehler tauchen wieder auf (es fehlen sogar ganze Worte von Zeit zu Zeit), aber ich gebe mein Bestes, sie zu ignorieren.
Da ich "Die Erwählten" bereits ausführlich rezensiert habe, mache ich hier Schluss und zeige euch mal ein paar schöne Fanarts, die ein paar echt coole Midnighterfans gemacht haben:
Und mein Liebling:
Midnighters - Die Erwählten ... das klingt doch nett, oder? Sehr mysteriös und spannend. Ich war sehr angetan vom Cover, vom Klappentext und auch von der Seitenzahl: 309 Seiten bei großer Schrift und dickem Papier - etwas für Zwischendurch. Also habe ich es mitgenommen und vor ein paar Tagen in der Bahn angefangen, Scott Westerfelds Werk zu lesen.
"Das hier musste ein Traum sein: Unzählige Diamanten erfüllten die Luft,
schwebten über dem nassen, schimmernden Asphalt. Jessica hob eine Hand, um einen
von den blauen Edelsteinen zu berühren. Der kleine Diamant zitterte, dann lief
er ihren Finger hinab, kalt und nass. Zurück blieb nichts als ein bisschen
Wasser. Da verstand Jessica. Ein Regentropfen! Die schwebenden Diamanten waren
der Regen, der irgendwie erstarrt in der Luft hing. Nichts regte sich auf der
Straße oder am Himmel. Die Zeit stand still.
'Die geheime Stunde', schoss es
Jessica durch den Kopf, 'das ist es also. Ich gehöre zu ihnen.' "
Der Klappentext hat mich dazugebracht, das Buch lesen zu wollen. Es klingt wirklich nach einem Jugendbuch, wie ich sie damals Reihenweise verschlungen habe. In letzter Zeit geht es in der Jugendbuchkultur ja dank Werken wie Twilight viel um Mystery/Fantasy-Themen, doch leider heben sich nur wenige ab, weil jeder auf der Vampirwelle schwimmen möchte. Gott sei Dank ebbt das aber langsam ab.
Midnighters ist von 2004 und demnach vor dem ganzen Hype erschienen. Es beginnt trotzdem wie viele ähnliche Bücher: Ein junges Mädchen, Jessica Day (sehr passender Name) zieht in die Kleinstadt Bixby in den Südstaaten (anscheinend ist der Norden langweilig) und es beginnen merkwürdige Ereignisse. Sie wird Teil einer Gruppe Außenseiter, die alle ein Geheimnis teilen.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich dachte schnell, es geht um Vampire und wollte es weglegen. Ich meine, da sind drei Leute, die die Sonne nicht vertragen, keine Menschen mögen, die nur schwarz tragen und die noch dazu nur nachts - mitternachts - unterwegs sind. Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die so gedacht hat... gebt's zu!
Aber die Geschichte ist ganz anders. Es gibt in Bixby ein Phänomen, das sich die geheime Stunde oder auch die blaue Zeit nennt. Uralte Dämonen haben sie geschaffen, um sich dort vor der Menschheit zurückzuziehen und nur wenige, die um Mitternacht geboren sind, können sie ebenfalls betreten. Es ist nur eine Stunde jede Nacht, die jedoch auf wenige Sekunden zusammengepresst wurde, sodass wir Normalsterbliche nichts davon bemerken. Jessica, Rex, Dess, Melissa und Jonathan sind die einzigen in Bixby, die es können.
Zumindest ist das im ersten Teil so. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass es ausgerechnet nur fünf Teenager im Alter zwischen 15-16 sind, die dieses Talent beherrschen und das in einer Stadt mit mehreren Tausend Einwohnern. Da es sich bei Midnighters um eine Trilogie handelt, kommt da bestimmt noch was...
Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass die Dämonen Angst vor Mathe haben ... klar, das wurde erklärt, aber wirklich logisch war es für mich trotzdem nicht. Man nimmt also Metall, gibt ihm einen Namen mit dreizehn Buchstaben, den es AUS WELCHEM GRUND AUCH IMMER, auch annimmt und bemalt ihn mit Formeln und schon hat man eine kick-ass Waffe. Wieso ist da früher keiner drauf gekommen?! So schwer es mir fiel, mich daran zu gewöhnen, so super fand ich es zum Schluss. Man findet seine Waffen überall und zur Abwechslung handelt es sich mal nicht um Pistolen, Macheten oder anderen Totmachern, nein! Autoantennen und Mikrofonständer sind die neuen Prügel. Echt klasse.
Die Atmosphäre, die Westerfeld kreiert, ist wunderbar mystisch und eignet sich gut für kalte Tage. Die Teenager sind alle vorbelastet und glaubwürdig und besonders bei Dess kann ich nachfühlen. Hilfreich ist hier besonders die fantastische Idee, die Geschichte nicht nur aus Jessicas Sicht zu erzählen - alle dürfen mitspielen, um es mal pauschal zu sagen. Etwas schwierig fand ich so manch starken Bruch - wenn z.B. einer der Midnighters sich denkt, es wäre doch viel leichter, die anderen sterben zu lassen, dann gäb's wenigstens keinen Stress mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut überlegt und im Charakter war, aber wie gesagt, Trilogie, vielleicht hat das alles seinen Grund.
Problematisch war auch der Humor - es gibt keinen. Oder doch, es gibt Humor, er ist nur nicht lustig. Für mich zumindest nicht, Geschmäcker sind verschiedenen. Die Dialoge sind betont darauf aus, jugendlich zu wirken und deswegen manchmal einfach nur platt, platt, platt. Ich habe das Buch leider gerade zur Bibliothek zurück gebracht, sonst würde ich euch ein Beispiel geben, aber ich habe mir den zweiten und dritten Teil geholt und werde es in deren Rezensionen dann nachholen.
Was mich gestört hat, ich meine WIRKLICH gestört hat, ist die Übersetzung - ich meine gar nicht mal die Wortwahl, sondern die unzähligen Grammatikfehler. Ich dachte immer, um Literatur zu übersetzen, müsste man eine gewisse Kenntnis der deutschen Sprache haben? Lag ich falsch? Da kommen Kommata vor 'oder' (wo sie nur im seltensten Fall hingehören und die im Buch gehören NICHT dazu) oder es wird immer nur ',das" geschrieben, ob es sich nun um eine Konjunktion oder ein Pronomen handelt. Vermutlich denkt ihr, dass (<<<!) ich pingelig bin, wenn ich mal ein,zwei Fehler finde ... aber ich habe gleich drei solche Fehler innerhalb von zwei Seiten gesehen. Vielleicht war die Lektorin da besonders müde und ansonsten ist alles in Ordnung. Direkt Rechtscheibfehler sind mir auch keine aufgefallen, der Lesefluss ist also nicht stark getrübt. Man muss schon ein Grammatiklehrer wie ich sein, um sich aufzuregen. Wer locker lassen kann, wird keine Schwierigkeiten haben.
Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung: Ist euch aufgefallen, dass Jessica Day ebenfalls der Name der Protagonistin der US-Serie New Girl ist? Zufall?